
Jaaaaa, wer hat sie nicht schon mal gesehen, die Schreibweise mit „d“ bei der Gratwanderung oder dem Rückgrat?
Wie kommt das?
Wortherkunft „Grat“ und „Rückgrat“
Der Grat ist eine aus dem Mittelhochdeutschen stammende Bezeichnung für die oberste Kante eines Bergrückens.
Das Rückgrat wiederum ist ein anderes Wort für Wirbelsäule.
Bei beidem hilft außerdem der Ursprung aus dem mittelhochdeutschen Wort „grāt“, das für etwas Spitzes oder Hervorstechendes steht. Es besteht – besonders beim Bergrücken – eine Absturzgefahr nach zwei Seiten hin.
Deshalb wird die Gratwanderung gern im übertragenen Sinn für ein riskantes, gefährliches Unterfangen verwendet, beispielsweise in moralischen Fragen oder in der Politik. Umgekehrt wird der Begriff auch eingesetzt, um eine Grenzlinie zu beschreiben zwischen etwas, das gerade noch als ungefährlich oder positiv gesehen wird.
Beispiele:
✅ Der Grat war so schmal, dass sie hoch oben kaum Platz für einen sicheren Schritt fand.
✅ Der windige Grat zwischen den Gipfeln war besonders gefährlich.
✅ Sie zeigte Rückgrat, als sie eine andere Entscheidung traf als die, die von ihr erwartet wurde.
✅ Die Verhandlungen zwischen den beiden Staaten waren eine schwierige Gratwanderung zwischen Diplomatie und Durchsetzungsvermögen.
Verwechslung mit „Grad“
Beide Worte werden im Alltag einfach als Begriff nicht so oft benutzt. Ich vermute, dass viele deshalb schon mal häufiger zum D greifen: Grad.
Und es besteht natürlich die Verwechslungsgefahr mit der Einheit für Temperaturmessung oder dem anderen Begriff für Stärke, Abstufung oder Maß einer Eigenschaft oder eines Zustandes: „Grad“.
Beispiele:
✅ Die Temperatur stieg an diesem Sommertag auf 30 Grad.
✅ Lektorinnen arbeiten mit einem hohen Grad an sprachlicher Genauigkeit.
Tipp
Macht man sich die Bedeutung der Worte „Gratwanderung“ und „Rückgrat“ bewusst, kann es nur die Schreibweise mit „t“ geben. Das gilt es vor dem Schreiben kurz zu reflektieren.
In diesem Sinne: Immer schön Haltung – also Rückgrat – zeigen.😉
Gerade in der heutigen Zeit …

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